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Die Normenreihe EN ISO 13849 bildet seit vielen Jahren eine zentrale Grundlage für die funktionale Sicherheit von Maschinen. Sie beschreibt, wie sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen (SRP/CS) entworfen, bewertet und validiert werden müssen, damit sie definierte Sicherheitsfunktionen zuverlässig erfüllen.
Während sich die EN ISO 13849-2:2012 nahezu ausschließlich auf die Validierung dieser Steuerungen konzentrierte, verfolgt der aktuelle Entwurf prEN ISO 13849-2:2026 einen deutlich erweiterten Ansatz. Der Fokus verschiebt sich dabei von der reinen Prüfbetrachtung hin zur Anwendung von Design- und Validierungsprinzipien, die bereits im Entwurfsprozess beginnen und sich über den gesamten Lebenszyklus einer Maschine erstrecken.
Dieser Fachbeitrag erläutert die wesentlichen Unterschiede zwischen der bisherigen Fassung von 2012 und dem Entwurf von 2026 und ordnet deren Bedeutung für Maschinenhersteller, Integratoren und Sicherheitsverantwortliche verständlich ein.
Achtung: Die Inhalte des Entwurfs sind bisher weder final noch verbindlich anzuwenden! Aktuell befindet sich die Norm in der Umfragephase. Der aktuelle ISO-Stage-Code „Close of Voting” vom 02.05.2026 bedeutet, dass die zwölfwöchige Feedbackphase zum Dokument abgeschlossen ist. Im Anschluss wird im Gremium über das Dokument beraten und über die finale Fassung abgestimmt.
Seminarhinweis
Funktionale Sicherheit - Auslegung sicherer Steuerungen nach EN ISO 13849-1 und -2
In diesem 2-tägigen Seminar erhalten Sie fundierte Kenntnisse über die sicherheitstechnische Gestaltung von Steuerungen bei Neubauten und bei Umbauten (wesentlichen Veränderungen) von Maschinen und Anlagen.
zum Seminar
Schon der geänderte Titel verdeutlicht den grundlegenden Wandel der Norm:
Teil 2 ist somit nicht mehr nur das „Dokument für die abschließende Prüfung“, sondern versteht sich als praxisnaher Leitfaden, der den sicheren Entwurf sicherheitsbezogener Steuerungen aktiv unterstützt. Dabei wird Validierung nicht mehr isoliert betrachtet, sondern als konsequente Folge eines normgerecht umgesetzten Designs.
Für die Praxis bedeutet das: Sicherheitskonzepte müssen früher durchdacht und technisch sauber aufgebaut werden und können nicht erst am Ende eines Projekts überprüft werden.
2. Verlagerung der Validierungsinhalte in EN ISO 13849‑1
Eine der größten strukturellen Änderungen zeigt sich im Aufbau der Norm: Teil 2 der Version 2012 enthielt die Kapitel 4 bis 12 mit detaillierten Anforderungen zur
Im Entwurf von 2026 wurden diese Inhalte vollständig in die EN ISO 13849‑1:2023 überführt. Teil 2 konzentriert sich nun konsequent auf Prinzipien, bewährte technische Ansätze und deren Anwendung. Das Ergebnis ist eine klarere Rollenverteilung: Teil 1 umfasst Anforderungen, Methoden und Validierung, Teil 2 dagegen praktische Leitlinien für den sicheren Entwurf und die technische Umsetzung.
3. Sicherheitsprinzipien und bewährte Bauteile im Mittelpunkt
Kernstück des neuen Entwurfs ist Abschnitt 4, dieser beschreibt systematisch:
Besonders praxisrelevant ist die Tabelle 2 in Verbindung mit den Tabellen der Anhänge. Sie fasst typische technische Lösungsansätze zur Erfüllung dieser Prinzipien zusammen. Damit wird Wissen, das bislang stark erfahrungsbasiert war, erstmals strukturiert in der Norm abgebildet.
Gleichzeitig steigt jedoch die Verantwortung für Konstrukteure und Projektverantwortliche. Die Auswahl bewährter Bauteile und die Begründung von Fehlerausschlüssen müssen fachlich fundiert, nachvollziehbar und dokumentierbar sein.
4. Deutliche Aufwertung der Anhänge A bis D
Die bisherigen Anhänge für mechanische Systeme (Anhang A), pneumatische Systeme (Anhang B), hydraulische Systeme (Anhang C) und elektrische Systeme (Anhang D) bleiben erhalten und wurden im Entwurf von 2026 inhaltlich deutlich erweitert.
Neu hinzugekommen sind unter anderem:
Der bisherige Anhang E entfällt vollständig, da dessen Inhalte nun in Teil 1 geregelt sind.
Damit entwickeln sich die Anhänge von reinen Nachschlagewerken zu aktiven Werkzeugen für Planung, Bewertung und Argumentation.
5. Ausrichtung auf die neue Maschinenverordnung (EU) 2023/1230
Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt im regulatorischen Bezug. Der Entwurf prEN ISO 13849-2:2026 enthält weiterhin einen Anhang ZA, der den Zusammenhang mit der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG erläutert. Neu hinzu kommt ein Anhang ZBB, der die Übereinstimmungen mit der neuen Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 darstellt.
Damit wird deutlich, dass die Norm gezielt auf die zukünftigen rechtlichen Rahmenbedingungen ausgerichtet ist, die ab dem 20. Januar 2027 verbindlich gelten werden. Dies schafft für Unternehmen frühzeitig Orientierung und Planungssicherheit bei der Umsetzung zukünftiger Konformitätsanforderungen.
Fazit
Der Entwurf der prEN ISO 13849‑2:2026 markiert einen grundlegenden Wandel im Verständnis von Teil 2 der Normenreihe. Aus einer reinen Validierungsnorm wird ein praxisorientierter Leitfaden, der den sicheren Entwurf sicherheitsbezogener Steuerungen aktiv unterstützt.
Für Hersteller und Integratoren bedeutet dies:
Wer sich frühzeitig mit den Änderungen auseinandersetzt, schafft eine solide Grundlage für zukünftige Maschinenkonzepte und stellt sicher, dass funktionale Sicherheit nicht nur normkonform, sondern auch nachhaltig und nachvollziehbar umgesetzt wird.
Tipp: Durch unseren Newsletter, den CE-InfoService, informieren wir Sie, wenn uns Neuigkeiten zur künftigen prEN ISO 13849-2 vorliegen.
Verfasst am: 04.05.2026
Mehrjährige Erfahrung als CE-Koordinator und technischer Redakteur im Bereich Lebensmittelmaschinen. Zuständig für die Koordination des Konformitätsbewertungsverfahrens von Maschinen, Gesamtheiten von Maschinen und Anlagen. Leitung von Risiko- und Hygienebeurteilungen. Ansprechpartner für Material-Compliance und technische Dokumentation in einem internationalen Unternehmen.
E-Mail: robert.boenisch@ibf-solutions.com
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